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Sasha Lurje, Craig Judelman und Sanne Möricke: »Lebedik – Shlepping Goles«

Samstag 14. Mai | 20 Uhr | Erzählkonzert in der Reihe Angekommen?
Träume und Sehnsüchte aus der Diaspora. Die jüdische Geschichte ist schon immer mit Migration verbunden - sie war nie eine Kultur, die nur an einem Ort existierte. Die Menschen zogen umher, lebten in verschiedensten Ländern und sehnten sich nach einem anderen Teil der Welt: Juden in der Diaspora (Goles) träumten vom gelobten Land in Palästina und vom goldenen Land des amerikanischen Traums in den USA. Sie trugen diese Last - »shlepping Goles« - auf ihren Reisen mit sich. Ihre Sehnsüchte und die Geschichte ihrer Vertreibung und Verdrängung beschrieben sie in vielen Liedern.
 

Ein neues Projekt aus Berlin widmet sich diesen Lieder und Geschichten der Migrationen und sucht in der jiddischen Kunst und dem jiddischen Erbe nach einem Kontext für die Herausforderungen, mit denen so viele Einwanderer und Flüchtlinge heute konfrontiert sind. Die Sängerin Sasha Lurje aus Riga (Lettland), die Akkordeonistin Sanne Möricke aus Amsterdam (Niederlande) und Craig Judelman aus Seattle (USA) wollen diesen Liedern und ihren eigenen Erfahrungen einen Kontext  geben und das Verständnis dafür erweitern, woher wir kommen und wie wir hierher gelangt sind.

Gemeinsam erforschen die Musiker den Wandel der jiddischen Musik, von den Schtetln der Alten Welt über ihre Reise in die modernen Großstädte bis hin zu den neuen Ländern Amerika und Israel.

Das Trio begibt sich auf eine historisch-musikalische Reise, rekonstruiert die Wege ihrer Vorfahren über die Lieder, die sie damals auf ihren Wanderrouten und Fluchtbewegungen begleiteten und hält diese Tradition lebedik – lebendig!

Mit Sasha Lurje (LV/DE) (Gesang), Sanne Möricke (NL/DE) (Akkordeon), Craig Judelmann (USA/DE) (Violine) | gefördert von Neustart Kultur, der Initiative Musik und der Bundeskulturstaatsministerin; https://www.sashalurje.com/lebedik

AK 15 (ermäßigt 10) VVK 12 (ermäßigt 10) € | Tickets | Infos Vorverkauf

Halle
 

»ANGEKOMMEN? Juden in Deutschland«

In Deutschland leben ungefähr 220.000 Jüdinnen und Juden. Die große Mehrheit stammt aus der ehemaligen Sowjetunion und kam als »Kontingentflüchtlinge«. Vor 30 Jahren begann diese Emigrationswelle. Auf der Suche nach einer neuen Heimat wählten etwa 210.000 Menschen in ihrer Not den beschwerlichen Weg der Einwanderung in ein fremdes Land. Wie geht es ihnen heute? Sind sie angekommen in Deutschland, ist dieses Land ihr Zuhause geworden? Was ist eigentlich Heimat? Und wie halten sie es mit dem »jüdischen Leben in Deutschland«, das unbedingt wieder zu diesem Land dazugehören soll?

Nach der positiven Resonanz auf die Reihe »Jüdische Klangspuren« möchten wir das Format der Erzählkonzerte im Goldbekhaus fortsetzen. Wieder liegt ein Fokus auf der jiddischen Sprache, die sich immer transnational definiert hat und bis heute über Grenzen hinwegsetzt. Eingeladen sind wieder Künstler und Künstlerinnen, die alle in Deutschland leben. Sie alle haben sich extra für diese neue Reihe mit ihren Vorstellungen von Heimaten beschäftigt und für das Goldbekhaus exklusiv ihre eigenen persönlichen Erzählkonzerte konzipiert. Das Jüdische und das Jiddische ist ein wichtiger Teil ihres künstlerischen Schaffens und zeigt, wie vielfältig und unterschiedlich Judentum in Deutschland praktiziert wird.

Mit den Erzählkonzerten möchten wir einen emotionalen Zugang zu jüdischen Themen schaffen, Hemmungen oder Berührungsängste abbauen und einladen, jüdisches Leben in Deutschland besser kennenzulernen.

 

Während der Vorbereitung zu dieser neuen Konzertreihe haben uns die Ereignisse eingeholt:

Putin hat einen brutalen Krieg mitten in Europa begonnen. Seinen zaristischen Begehrlichkeiten fällt ein Land mit 42 Mio. Einwohnern zum Opfer, das der Diktator skrupellos zerstören und Russland einverleiben will. Dieser völkerrechtswidriger Angriffskrieg markiert eine Zeitenwende und hat uns zutiefst bestürzt. Dieser Vernichtungsfeldzug stellt auch unsere Serie mit Erzählkonzerten in einen neuen Kontext. Viele der Mitwirkenden stammen aus osteuropäischen Ländern – aus der Ukraine oder unmittelbar betroffenen Nachbarstaaten wie Lettland und Moldau. Und so rückt der Krieg ungewollt in den Mittelpunkt, denn er verändert radikal den Blick auf Heimaten.

Im Jahr 2022 tobt in Osteuropa ein Krieg der Nationalismen wie im 19. Jahrhundert und fordert Menschenleben, zwingt Unzählige zur Flucht. Wegen Kriegen und Pogromen hat sich Jiddisch in den unterschiedlichsten Diasporen ausgebreitet. Die staatenlose Jiddische Kultur ist ein kluges Vorbild, exemplarisch den neu entflammten Nationalismen etwas entgegenzusetzen.

Stella Jürgensen und Jürgen Krenz
Hamburg, der 8. März 2022

„Mein Vaterland ist tot
Sie haben es begraben im Feuer
Ich lebe in meinem Mutterland Wort“
Rose Ausländer

Solidarität mit den Menschen in der Ukraine! Hilfe und Spenden gerne an den »Verein der deutsch-ukrainischen Zusammenarbeit e.V.«
IBAN: DE02 1001 0010 0994 1081 20 für humanitäre Hilfe

 

Alle Termine im Einzelnen:

Sa 9. April | Yuriy Ghurzy | »Richard Wagner und die Klezmerband« – auf der Suche nach jüdischen Sounds in Deutschland

Sa 14. Mai | Sasha Lurje, Craig Judelman + Sanne Möricke | »Lebedik: Shlepping Goles - Träume und Sehnsüchte aus der Diaspora«

Sa 25. Juni | Marina Frenk. (Copyright Foto David Reisler) | »ewig her und gar nicht wahr« – über das Ankommen in einem fremden Land

Sa 10. September | Stella’s Morgenstern und Frank London mit neuen Beautiful Chansons und Liedern von Heimaten und Sehnsuchtsorten

Sa 26. November | Daniel Kahn besingt seine »foterlender« - seine »Vaterländer und Heimaten«

Sa 10. Dezember | Maya Lasker-Wallfisch »Ich schreib euch aus Berlin – Rückkehr in ein neues Zuhause«